Lehre - Hygiene

Lehr- und Lernziele

Klinik / Institut: Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit

Pflichtlehrveranstaltung: Vorlesung, Seminar und Praktikum  Hygiene

Erwerb des Scheines:  Hygiene, Mikrobiologie und Virologie

O. Strukturdaten
a) Umfang der Veranstaltung in SWS sowie Vor- und Nachbereitungsaufwand für die Studierenden:                                                                                                          

3 Semesterwochenstunden
Vor- und Nachbereitungsaufwand für einen Studierenden pro Semester: 10 h

b) Lehrverantwortlicher:
PD Dr. Engelhart
Tel.: 0228 2871 4434
Email: steffen.engelhart@ukb.uni-bonn.de

c) Veranstaltungsform:
Vorlesung + Seminar / Praktikum

1. Ziele  der Kenntnisvermittlung (Deklaratives Wissen)

a) Oberziele:

Die Studierenden kennen die einzelnen struktur- und prozessqualitativen Risikofaktoren für die Entstehung nosokomialer Infektionen, die Methoden zur Erfassung der Ergebnisqualität und die Maßnahmen zu deren Vermeidung bei der praktischen Anwendung medizinischer Maßnahmen.

Die Studierenden kennen darüberhinaus infektiöse und nichtinfektiöse Umwelteinflüsse in medizinischen Einrichtungen außerhalb des Krankenhauses, in Gemeinschafteinrichtungen und im privaten und häuslichen Umfeld.

b) Feinziele: 

1. Einheit: Hauptvorlesung Hygiene

Im einzelnen werden folgende Themen in den jeweiligen Unterrichtsstunden

vermittelt:

Thema Nr. Thema Lernziele und Inhalte
1 Krankenhaus- und Praxishygiene Definition und Ziele der Krankenhaushygiene. 
Nosokomiale Infektionen: Grundlagen, Erreger und Übertragungswege, Verhütung und Kontrolle
2 Surveillance und Ausbruchsmanagement Infektionsschutzgesetz, Surveillancesysteme (KISS, NNISS u.a.) und praktische Anwendung, Ausbruchsdefinitionen und praktisches Management von Ausbrüchen
3 Trinkwasserhygiene Gesundheitliche Risiken durch Trink- u. Badewasser mit bes. Berücksichtigung von Krankheitserregern, Gewinnung, Aufbereitung sowie Kontrolle Epidemiologische Untersuchungen zur Abklärung von Zwischenfällen
4 Badewasserhygiene Badewasserassozierte Infektionen und Risiken, Maßnahmen zur Verhütung und Kontrolle
5 Innenraumlufthygiene und Wohnmedizin Hygienische Bedeutung von Wohnumfeld/Innenraumluft, Sick-Building-Syndrom (SBS) und Building-Related-Illness (BRI), chemische und biologische Noxen
6 Reisemedizin Bedeutung der Reisemedizin, Reiseassoziierte Infektionskrankheiten Individualhygiene auf Reisen, Schutzimpfungen, Malariaprophylaxe
7 Öffentliche Gesundheit Aufgaben des öffentlichen Gesundheitsdienstes in der Hygieneüberwachung medizinischer Einrichtungen

 

2. Einheit: Seminar / Praktikum Hygiene

Im einzelnen werden folgende Themen in den jeweiligen Unterrichtsstunden vermittelt:

obligate Themen
ThemaNr. Thema Lernziele und Inhalte
1 Propädeutikum I Literaturrecherche, Informationsbeschaffung und -gewichtung, Präsentationsarten, Vergabe von Referatthemen Kenntnis der Methodik wissenschaftlichen Arbeitens, der Erschließung von Informationen und der Gliederung und Präsentation eines Referates
2 Propädeutikum II Besprechung von ersten Recherchen bzw. Themen, Gruppenarbeit
3 Reisemedizinische Beratung I: Prävention orofäkaler Infektionen II: Prävention vektorübertragener Infektionen Diarrhoe, Wasser-und Lebensmittelhygiene auf Reisen; Ziel: Allg. Mückenschutz, Malariaprophylaxe; Kenntnis der wichtigsten Quellen, Übertragungswege und Vorbeugungsmaßnahmen Erwerb von Grundkenntnissen zur eigenständigen Durchführung einer Basisberatung für Reisende
4 Reisemedizinische Impfungen GF, Typhus, Meningokokken, Tollwut, FSME, Hep. A, Japan. Enzephalitis Erwerb von Grundkenntnissen zur eigenständigen Durchführung einer Basisberatung für Reisende
5 Prävention wasserübertragbarer Infektionen I: allgemein Trinkwassereinzugsgebiete, Schutzzonen, Aufbereitung im Wasserwerk, vergangene und aktuelle Infektionserreger Kenntnis der wichtigsten Krankheitsbilder und Erreger im ambulanten Bereich und der Präventionsmaßnahmen
6 Prävention wasserübertragbarer Infektionen II: Medizinische Einrichtungen Legionellen, Pseudomonaden, Biofilme und assoziierte Erreger, Sterilfiltration, Chlorung, technische Maßnahmen; Kenntnis der wichtigsten Krankheitsbilder und Erreger im Krankenhaus und der technischen Präventionsmaßnahmen einschließlich Ländern der Dritten Welt, Strategien der WHO
7 Lebensmittel-und Bedarfsgegen-ständegesetz (LMBG), HACCP-Konzept und Schulung nach §43IfSG LMBG, IfSG, HACCP, IfSG Kennntnis der gesetzlichen Grundlagen und der Grundphilosophie des HACCP-Konzeptes
8 Ausbruchsmanagement übertragbarer Erkrankungen RKI-Richtlinie Kenntnis der wichtigsten Vorgehensweisen, Praktische Gruppenarbeit am Beispiel
9 Isolierungsmaßnahmen bei multiresistenten Krankheitserregern im Krankenhaus MRSA, VRE, ESBL-Bildner, C. difficile Kenntnis der wichtigsten Maßnahmen zur Isolierung im Krankenhaus und der Empfehlungen der RKI-Kommission
10 Desinfektionsmaßnahmen im klinischen Alltag (Basismaßnahmen i.R. d. medizinischen Versorgung) Hygienische und chirurgische Händedesinfektion, Hautdesinfektion vor Eingriffen, Flächen und Instrumentendesinfektion, Listung (DGHM, RKI) von Präparaten Kenntnis der Durchführung einer sachgerechten Hände- und Flächendesinfektion, der Listung von Desinfektionsmitteln und der Einschränkungen bezüglich bestimmter Erreger
11 Prävention der nosokomialen Sepsis RKI-Richtlinie, CDC-Guidelines Kenntnis der wichtigsten Risikofaktoren und Präventionsmaßnahmen
12 Prävention der nosokomialen Wundinfektion RKI-Richtlinie, CDC-Guidelines Kenntnis der wichtigsten Risikofaktoren und Präventionsmaßnahmen
13 Prävention der nosokomialen Harnwegsinfektion RKI-Richtlinie, CDC-Guidelines Kenntnis der wichtigsten Risikofaktoren und Präventionsmaßnahmen
14 Prävention der nosokomialen Pneumonie RKI-Richtlinie, CDC-Guidelines Kenntnis der wichtigsten Risikofaktoren und Präventionsmaßnahmen
15 Infektionsschutzgesetz (IfSG) IfSG, ÖGD, Krankenhaus- und Lebensmittelhygiene, Rolle des Gesundheitsamtes Kenntnis der wichtigsten Inhalte und Anwendungsbereiche
16 Surveillance nosokomialer Infektionen NNISS, KISS, RKI-Richtlinie, §23-Dokumentation Kenntnis der wichtigsten Systeme und deren Anwendung
17 Grundimpfungen für Kinder und Erwachsene T, D, Polio, Pertussis, MMR, Hib, HB eigenständige Durchführung einer Basisberatung für Kinder und Erwachsene
18 Epidemiologie und Prävention von HIV-Infektion/AIDS Epidemiologie, soziale Folgen, Primäerprävention, Schutz vor Übertragungen im Gesundheitswesen Kenntnis der wichtigsten Risikofaktoren und Präventionsmaßnahmen
19 Umgang mit HBV/HCV-positivem Personal im Krankenhaus Epidemiologie, Übertragungsrisiko und gefahrgeneigte Tätigkeiten, Risikoabschätzung, juristischer Hintergrund Kenntnis des Infektionsrisikos für Patienten und der Tätigkeitsausschlußkriterien
20 lebensmittelbedingte Infektionen/Intoxikationen und deren Prävention Bakterielle Infektionen, Toxiinfektionen und Intoxikationen, Viren, Pilze, Mykotoxine; Verderb und Konservierung Kenntnis der wichtigsten Krankheitsbilder und Erreger sowie der wichtigsten hygienischen Präventionsmaßnahmen
21 Hygiene-Hypothese der Entwicklung von Allergien und Immunerkrankungen (Diabetes Mellitus u.a.) Rolle der mikrobiellen Stimulation, Balance-Modell, Regulatorisches Netzwerk Kenntnis der wichtigsten Hypothesen zur Allergieentstehung / Entstehung von Immunerkrankungen
22 Abfall und Abwasser im Krankenhaus. Umweltbelastungen durch Medikamentenrückstände und Auswirkungen aus den Menschen LAGA, Abfalklassifikation Kenntnis der Abfallklassen und der Entsorgungspfade sowie der Risiken im Umgang mit Abfall
23 Medizinproduktegesetz (MPG) und Umgang mit Medizinprodukten im Krankenhaus MPG, MPBetreibVO, RKI-Richtlinie, Klassifikation von Medizinprodukten, Validierung der Aufbereitung, Schulung des Personals Kenntnis der Grundzüge des Gesetzes und der wichtigsten Ausführungsbestimmungen sowie der Umsetzung im klinischen Alltag
24 Endoskopaufbereitung in Krankenhaus und Praxis Manuelle vs. maschinelle Reinigung, Validierung von Reinigungsverfahren, Desinfektionsmittel, Lagerung Kenntnis der wichtigsten Erreger und Arbeitsschritte
25 Händehygiene RKI-Richtlinie, CDC-Guidelines Korrekte Durchführung der hygienischen und chirurgischen Händedesinfektion; Händewaschung, Handpflege

 

Optionale Themen
26 CJK/vCJK: Epidemiologie und klinische Konsequenzen RKI-Empfehlungen (Task Force) Kenntnis der wichtigsten Übertragungswege und Präventionsmaßnahmen
27 Lärm Schallmessung, Schall- und Lärmwirkugen, Gesundheit und Grenzwertfrage, Lärmbekämpfung, Regulation Kenntnis der wichtigsten Gesundheitsrisiken (mit Risikoabschätzung) und Präventionsmaßnahmen
28 UV-Strahlung Physikalische Zusammenhänge, biologische Wirkungen, Melanomprävention Kenntnis der wichtigsten Gesundheitsrisiken (mit Risikoabschätzung) und Präventionsmaßnahmen
29 Klimawandel Treibhauseffekt, Ozon,in der Stratosphäre, Saurer Regen Kenntnis der wichtigsten Rahmendaten und ökologischen Folgen
30 Smog Sommer- und Wintersmog, Gesetze und Grenzwerte für Luftinhaltsstoffe, Prävention Kenntnis der wichtigsten Gesundheitsrisiken (mit Risikoabschätzung) und Präventionsmaßnahmen
31 Elektromagnetische Felder (EMF) Physikalische Zusammenhänge, biologische Wirkungen, Elektrosensibilität Kenntnis der wichtigsten Gesundheitsrisiken (mit Risikoabschätzung) und Präventionsmaßnahmen
32 Chemische Innenraumschadstoffe und Gesundheit Flüchtige und semivolatile Substanzen Kenntnis der wichtigsten Parameter, Expositionsrisiken und Präventionsmaßnahmen
33 Biologische Innenraumschadstoffe und Gesundheit Allergene, (Myko)toxine, irritativ wirksame Substanzen Kenntnis der wichtigsten Parameter, Expositionsrisiken und Präventionsmaßnahmen

 

2. Ziele der Fähigkeits- und Fertigkeitsvermittlung (Prozedurales Wissen, Handlungskompetenz)

a)Was ist das methodisch-didaktische Ziel der Lehrveranstaltung?

Die Studierenden verstehen die hygienischen Aspekte grundlegender medizinischer Maßnahmen wie Händehygiene, Durchführung von Injektionen und Infusionen, Katheterisierung von Gefäßen und Harnwegen, Intubation, Versorgung von Wunden, An- und Ablegen von Schutz und Bereichskleidung und können diese korrekt wiedergeben und in die Praxis implementieren. Sie kennen infektiöse und nicht-infektiöse Gesundheitsrisiken außerhalb des Krankenhauses und können Maßnahmen zu deren Prävention benennen und vermitteln. Sie lernen hygienerelevante Informationen in kurzer Zeit zu recherchieren, nach dem Grad der wissenschaftlichen Evidenz zu bewerten, zu präsentieren und in eigenes Handeln umzusetzen.

b)Wie werden die Ziele
aa) durch die angegebene Veranstaltungsform erreicht?

Im Praktikum üben die Studenten die korrekte Durchführung der hygienischen Händedesinfektion anhand eines fluoreszierenden Händedesinfektionsmittels, dessen Verteilung auf den Händen mittels UV-Licht in einer Dunkelbox sichtbar gemacht wird. Typische Benetzungslücken werden so sichtbar gemacht und in einem individuellen Gespräch erläutert, Veränderungen der Technik werden besprochen.

In gleicher Weise üben die Studierenden die Durchführung der Blutentnahme mit Korrektur bei Abweichungen von einer aseptischen Arbeitsweise, das aseptische Aufziehen und Anlegen einer Infusion, die Katheterisierung der Harnblase und den Umgang mit Schutzkleidung. Für die Praktika erfolgen Übungen an Dummies. Die hygienischen Fehler werden individuell besprochen und korrigiert durch einen Anleiter.

Im Seminar lernen die Studierenden anhand eines vorgegebenen hygienerelevanten Themas (s.o.), sich mittels Internet-Recherche und Nutzung von einschlägigen Internet-Seiten (RKI, CDC u.a.) ein hygienerelevantes Thema zu erschließen, nach dem Grad der wissenschaftlichen Evidenz zu wichten und für eine Kurzpräsentation aufzubereiten. Durch das Referat werden die wichtigsten Inhalte an die Seminarteilnehmer weitergegeben, ggf. duch den Seminarleiter ergänzt oder korrigiert und nach der Qualität benotet. Das Kurzreferat soll eine aktive Diskussion der Seminarteilnehmer anstoßen, die eigene Erfahrungen und Beobachtungen einbringen, welche in der Diskussion bewertet werden.

In der Vorlesung werden zu den wichtigsten Teilgebieten der Hygiene (Krankenhaushygiene, Trink- und Badewasserhygiene, Innenraumlufthygiene, Wohn- und Umweltmedizin, Reisemedizin und Immunprophylaxe, Öffentlichem Gesundheitswesen) durch einschlägige Experten die wichtigsten Themenschwerpunkte benannt und bewertet sowie zu ausgewählten Themen Vertiefungen angeboten. Hierdurch soll eine Wichtung der umfassenden Themen unter Bezug auf deren Bedeutung innerhalb der zukünftigen Tätigkeit der Studierenden vorgenommen werden. Wesentliche inhaltliche Fragen finden Eingang in die Klausur, die zu Ende des Halbsemesters abgehalten wird (25 Fragen zu allen Teilgebieten, multiple-choice-Verfahren).

bb) durch die eingesetzten Medienformen erreicht?

Im Praktikum wird durch Vormachen korrekter Abläufe und eigenständige Durchführung mittels Dummies und praktischer Durchführung von Verfahren ein unmittelbares Erkennen eigener Fehler und eine direkte Korrektur durch den Anleiter erreicht.

Im Seminar wird durch propädeutische Hinweise/Hilfen das eigenständige Erarbeiten von Seminarinhalten angeleitet und durch die Durchführung der einzelnen Studierenden praktisch erfahren und geübt. Die Korrektur durch den Anleiter gibt beispielhaft für alle Hilfen für eine weitere Verbesserung.

In der Vorlesung erfolgt die Wissensvermittlung frontal und audiovisuell.

cc) durch die Veranstaltungsstrukturierung erreicht?

Die Veranstaltung baut auf Kenntnissen des ersten Studienabschnitts zu Untersuchungsverfahren und auf Erfahrungen aus den Krankenpflegepraktika und anderen ärztlichen Praktika auf. Das Seminar wird begleitet durch eine allgemeine Vorlesung, die Teilaspekte in eine größeren Zusammenhang setzt. Die parallele Vernetzung von Vorlesung, Seminar und Praktikum dient der multimodalen Vermittlung von Themen aus unterschiedlicher Perspektive.

3. Ziele der Haltungsvermittlung (Einstellungen)

Die Studierenden sind offen für die ethische Bedeutung hygienischer Verhaltensweisen in der medizinischen Praxis und bereit, dies als elementare ärztliche Aufgabe zu sehen.

4. Wer übernimmt die Koordination der Gesamtlehrinhalte des Scheines, für den die durch dieses Formular behandelte Pflichtlehrveranstaltung besucht werden muss.

Die Inhalte der einzelnen Teilfächer sind jeweils in sich abgeschlossene separate Themengebiete, die sich nicht wesentlich überschneiden. Die Noten werden durch separate Prüfungen ermittelt und nach Proporz abschließend zu einer Gesamtnote zusammengeführt. Die Ausgabe des Gesamtscheines erfolgt über z.Z. das IMMIP.

 

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