Wissenschaftlicher Hintergrund des Projekts „Hygiene-Tipps für Kids“

 

Hintergrund:
Dem Projekt „Hygiene-Tipps für Kids“ liegen folgende grundsätzliche Beobachtungen zugrunde.

 

1) Die Relevanz der Händehygiene als Maßnahme zur Infektionsprävention ist in der Fachwelt unbestritten. Insbesondere im medizinischen Bereich ist dazu eine Vielzahl an Publikationen er-schienen. Die Bedeutung der Händehygiene im normalen Alltag ist dagegen bisher eher wenig thematisiert worden. Dennoch steht außer Frage, dass dieser einfachen und effektiven Maßnahme zur Infektionsprävention im häuslichen bzw. im sozialen Umfeld mehr Beachtung geschenkt werden sollte.

 

2) Trotz der Einsicht in die Effektivität der Händehygiene, ist die Compliance auch bei ausgebil-detem Klinikpersonal mangelhaft. Die Gründe hierfür liegen u.a. in der Tatsache, dass Keime an den Händen vom Menschen im Normalfall nicht wahrgenommen werden können und damit auch kein offensichtlicher Handlungsbedarf entsteht. Dem kann durch eine Ritualisierung der Händehy-giene entgegengewirkt werden. Im Erwachsenenalter ist es jedoch oft besonders schwierig, einmal erworbene Verhaltensweisen zu ändern. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass Hygienebewusstsein und entsprechende Verhaltensnormen beim Menschen nicht angeboren sind. Der Grundstein dazu muss in der Kindheit gelegt werden. Je früher mit der Erziehung begonnen wird und je klarer die Regeln sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Routine auch später beibehalten wird.

 

3) Es ist durch entsprechende Studien in Kinderbetreuungseinrichtungen wissenschaftlich nach-gewiesen, dass durch die Schulung von Lehrern, Erziehern oder anderen Autoritätspersonen, aber auch von Kindern die Häufigkeit der Infektionskrankheiten signifikant gesenkt werden kann.

 

4) In der Öffentlichkeit besteht eine Tendenz, selbst altbewährte Hygienemaßnahmen wie das Händewaschen als schädlichen, da allergiefördernden und hautschädigenden Eingriff in die natür-liche Abwehr zu bewerten. Es besteht ein erheblicher Aufklärungsbedarf über das Wie, Wann und Warum des richtigen Händewaschens.

 

5) Mit dem Händewaschen hängen eine Vielzahl von hygienerelevanten Verhaltensweisen zu-sammen. So kann das Interesse an und das Wissen über die Zusammenhänge zwischen der Ent-stehung und Vermeidung von Infektionskrankheiten gefördert und das soziale Verantwortungsge-fühl im Hinblick auf übertragbare Krankheiten gestärkt werden. Nicht zuletzt kann durch entspre-chende Aufklärung und Beeinflussung von Verhalten der Umgang mit den Sanitäreinrichtungen in Kindergärten und Schulen sowie die Toilettenhygiene verbessert werden.

Durchführung:
Die Autoren setzen gezielt bei der Hygieneerziehung im Vor- und Grundschulalter an. Kinder erreicht man am besten in ihrer direkten Umwelt, also in Familie, Kindergarten und Schule. Als besonders effektiv erweist sich die Verknüpfung von Bildung und Gesundheit. Dabei kommt es darauf an, alle zu involvieren, die bewusst oder unbewusst Gesundheitserziehung gestalten. Dazu gehören die Gesundheitsämter genauso wie Kinderärzte, Lehrer und Erzieher und natürlich die Eltern und ihre Kindern.

Projektverlauf:
Um die Nachhaltigkeit des Projekts zu stärken, nahmen die Autoren Kontakt zum Europäischen Zentrum für Umwelt und Gesundheit der WHO auf. Das Zentrum (Dr. G. Klein) unterstützt das Projekt nachdrücklich und übernahm die Schirmherrschaft. Die WHO hat mit ihrem Konzept der gesundheitsbewussten Schule bereits seit längerem Erfahrungen mit der Umsetzung von gesundheitsfördernden Maßnahmen in der Schule gesammelt. Dem Kindergarten sollte eine ähnliche Schlüsselfunktion zukommen.

In einem weiteren Schritt wurden – im Sinne eines gemeindeorientierten Ansatzes – die Gesundheit-ämter angesprochen. Der Landkreis Bad-Neuenahr/Ahrweiler (Gesundheitsamt und Jugendamt) führte ein Pilotprojekt „Händewaschen – na klar“ mit Kindergärten des Landkreises durch, das durch den Landrat und die Jugendstiftung der Kreissparkassen unterstützt wurde. Das Projekt wurde durch das Institut für Öffentliche Gesundheit und Hygiene der Universität begleitet. Es fanden Schulungen für Gesundheitsaufseher/Hygieneinspektoren und Erzieher statt.

Dieses „Modellprojekt“ wurde in anderen Städten und Gemeinden weitergeführt und ausgebaut und thematisch beispielsweise um Toilettenhygiene und allgemeine Körperhygiene erweitert. In Mecklenburg-Vorpommern lief unter Schirmherrschaft des Sozialministeriums ein Projekt, bei dem Infektraten und Fehlzeiten der Erzieher und Kinder vor und nach der Interventionsmaßnahme „Händewaschen“ erfasst und Verhaltensänderungen untersucht wurden (mehr Informationen zu den einzelnen Projekten auf dieser Webseite unter „Umsetzung vor Ort“ bzw. „Projektübersicht“).

Mittlerweile ist Hygiene-Tipps für Kids an vielen Orten ein ständiges Angebot von Gesundheitsämtern, Kindertagestätten und Grundschulen.

Fernziel ist es weiterhin ein „Hygiene-Mobil“ einzurichten und an Kindergärten, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen (z.B. das Jugendamt) zu verleihen.

Projektunterlagen

Es entstanden drei aufeinander abgestimmte Bücher:

 

1. Ein Sachbuch für „die Erwachsenen“. Es enthält in kurze Abschnitte unterteilte Grundlagen zur allgemeinen Hygiene, zur Epidemiologie von Krankheitserregern im Kindesalter, über die theoretischen Grundlagen der Händehygiene sowie praktische Empfehlungen zur konkreten Umsetzung der Thematik im Alltag.

 

2. Darüber hinaus erschienen zwei Bilderbücher. Eines richtet sich an Grundschulkinder und eines an Kindergartenkinder. Bildergeschichten und ein der jeweiligen Altersgruppe angepasster Sachteil regen zur Beschäftigung mit der Thematik an und erleichtern Eltern und Pädagogen die Einführung des Händewaschens als Routinemaßnahme.

Dazu passend sind auch separate Arbeitsblätter sowie ein Poster erhältlich. Ein Experimentierkoffer für das Experiment mit der „leuchtenden Hand“ sowie eine DVD und eine CD-ROM mit vielen Arbeitshilfen können ebenfalls bestellt werden.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2011

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Neu im September 2017: „Wir müssen draußen bleiben“: Mitmach-Ideen für Kinder hier zum Download

Roll-up für Hygiene-Tipps für Kids im Krankenhaus Download

"Kleines Klobüchlein“ für Kinder in Arabisch/Deutsch (PDF) und Farsi/Deutsch (PDF) downloaden oder hier bestellen.

Konzept „Hygiene-Tipps für Kids“. Risiken bei übertragbaren Krankheiten in der Kinderbetreuung vermindern.
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Die Poster und Broschüren mit Hygiene-Tipps  zur Infektionsprävention bei chronisch kranken Kindern gibt es als Print-Produkt direkt in unserem Shop oder zum kostenlosen Download als PDF-Datei.