Geleitwort des BVÖGD

 

Geleitwort des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst

Die Vermeidung von Erkrankungen und die Förderung der Gesundheit der Bevölkerung sind zentrale Aufgaben des Öffentlichen Gesundheitsdiensts. Aus der Vielzahl der hervorragenden Projekte in diesem Bereich möchte der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst das Interesse der Gesundheitsämter für das Projekt Hygiene-Tipps für Kids wecken, das einen bisher weniger berücksichtigten Themenbereich abdeckt. Der Verband unterstützt damit ein praxiserprobtes Projekt zur Hygieneschulung im Kindesalter. Das kindgerecht liebevoll aufgearbeitete Grundkonzept ist variabel und kann daher in jedem Gesundheitsamt angepasst an die lokalen Verhältnisse ohne großen Aufwand umgesetzt werden.

Gemäß den Erhebungen des Robert Koch-Instituts spielen bei Ausbrüchen von meldepflichtigen Infektionskrankheiten Privathaushalte und Gemeinschaftseinrichtungen, insbesondere Kindergärten, eine herausragende Rolle. Gerade Kinder unter 10 bzw. 5 Jahren sind häufig von Infektionskrankheiten betroffen und damit auch Überträger für andere Bevölkerungsgruppen. Jede dritte Krankenhauseinweisung von Kindern ist Folge einer Magen-Darm-Infektion. Das Risikobewusstsein in der deutschen Bevölkerung hinsichtlich der Gefahren von übertragbaren Krankheiten ist jedoch eher gering. Es ist daher dringend notwendig, in Deutschland generell die Vermittlung von allgemeinen standardisierten Hygienemaßnahmen im Kindergarten- und Schulalltag zu fördern.

Das Konzept „Hygiene-Tipps für Kids“, das am Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn (Prof. Dr. med. Exner) entwickelt wurde und unter der Schirmherrschaft der WHO Europe steht, basiert auf der Erkenntnis, dass Hygienebewusstsein und entsprechende Verhaltensmuster beim Menschen nicht angeboren sind, sondern im Kindesalter erlernt werden müssen. Daher integriert dieses Konzept Kinder in ihrem direkten Umfeld, Familie, Kindergarten und Schule, aber auch die Erzieher, Lehrer und Eltern. Wir begrüßen es sehr, dass sich auf der Grundlage dieses Konzepts bereits eine Vielzahl von Gesundheitsämtern zur Umsetzung von Aktionen zur Hygieneerziehung entschlossen hat. Beispielhaft seien hier das Pilotprojekt des Landkreises Ahrweiler (Frau Dr. med. Teichert-Barthel) und das umfangreiche Projekt des Landesgesundheitsamts Mecklenburg-Vorpommern (Frau Dr. med. Littmann) sowie das durch den Bundesverband der Unfallkassen ausgezeichnete Projekt an der Knauer-Schule in Nürnberg (Frau Dr. med. Vogt) genannt.

Den Schwerpunkt der Aktionen bilden die Indikationen und die korrekte Technik zum Haut schonenden Händewaschen. „Stets die Hände waschen,“ so hieß es auch als HYGIENE-TIPPS FÜR KIDS Geleitwort des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst Aufruf vom Präsidenten des Robert Koch-Instituts, Prof. Kurth, im Focus-Magazin anlässlich der Norovirus-Welle der ersten Wintermonate dieses Jahres. Die Relevanz dieser Maßnahme zur Eindämmung von Infektionskrankheiten ist vielfach belegt. Und dennoch erweist es sich immer wieder, dass es nicht nur Defizite im Wissen darüber gibt, wie man sich die Hände wäscht – zuerst das Wasser, dann die Seife – sondern auch in der Umsetzung des theoretischen Wissens im Alltag. Ein wichtiger Ansatz ist hier die Ritualisierung, aber auch das Bewusstsein darüber, wie Infektionskrankheiten übertragen werden.

Dass Krankheitserreger primär auf den Händen, aber damit auch auf Türklinken, Wasserhähnen, Telefonhörern und Küchenschwämmen massenhaft zu finden sind, ist vielen Menschen nicht klar. Und längst nicht jedem Kind und auch nicht allen Erwachsenen sind die Regeln der Lebensmittelhygiene bekannt. Wie viele Kinder machen sich Gedanken, was eigentlich Chicken Nuggets sind oder woher die Zutaten für die Tiefkühlpizza kommen und wie man mit Gemüse und Fleisch umgeht. Basismaßnahmen wie das Händewaschen ersetzen nicht Impfungen und andere Präventionsstrategien. Es geht um einen Multibarrierenansatz und um eine vertrauensvolle und konstruktive Kommunikation mit der Bevölkerung.

Es hat sich gezeigt, dass sowohl Kinder als auch Lehrkräfte bzw. Erzieherinnen mit viel Engagement und Begeisterung bei der Sache sind. Auch kleinere Kinder sind durchaus bereit, Verantwortung dafür zu übernehmen, dass in ihrem Umfeld auf Hygiene geachtet wird, worauf sich die Idee zur Ausbildung von „Junior-Hygieneinspektoren“ in Grundschulen stützt.

Hygiene-Tipps für Kids, ein Konzept von dem inzwischen weit mehr als 10.000 Kinder und ihre Eltern und Lehrkräfte profitieren, soll weiter ausgebaut werden. Dem Öffentlichen Gesundheitsdienst kommt dabei eine Schlüsselfunktion zu. Im akuten Fall, aber auch präventiv können die Überlegungen hinter diesem Konzept und die dazugehörigen Materialien einen wertvollen Beitrag zu einer gesunden Lebensführung von der Kindheit an liefern. Wir hoffen, dass sich noch möglichst viele Gesundheitsämter diesem Netzwerk anschließen.

März 2007

Der Vorstand Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte für den Öffentlichen Gesundheitsdienst

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Neu im September 2017: „Wir müssen draußen bleiben“: Mitmach-Ideen für Kinder hier zum Download

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Konzept „Hygiene-Tipps für Kids“. Risiken bei übertragbaren Krankheiten in der Kinderbetreuung vermindern.
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